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| TOPOI Kunstaktion während des Bundestagswahlkampfes 1998, entlang der Schwachhauser Heerstraße Kunst im öffentlichen Raum, BBK | |||||||||||||
| & "Coming Home" Relikte aus TOPOI im Durchgang der Weserburg, Bremen Teerhof, GAK Gesellschaft für aktuelle Kunst. | |||||||||||||
| TOPOI | |||||||||||||
| Aus dem gleichnamigen Flyer , 1998 Kunst entlang der Schwachauser-Heerstraße | |||||||||||||
| Frau Dr. Anne Thurmann-Jajes | Jürgen Weichardt | ||||||||||||
| Die Topoi sind die Orte, die Allge- | Straßenkunst ist stets eine Auseinander- | ||||||||||||
| meinplätze, es sind auch die künstle- | setzung mit einer unkalkulierbaren | ||||||||||||
| rischen Gesichtspunkte, die zur | Öffentlichkeit, ist Arbeit in einem äußerst | ||||||||||||
| Erörterung des Themas Straße bei- | sensiblen Bereich ästhetischer Wahrnehm- | ||||||||||||
| tragen. Der Begriff aus der Rhetorik | ung. Straßenkunst ist aber auch ein | ||||||||||||
| steht für die Kunstwerke vor Ort und | Angebot der Künstlerinnen und Künstler | ||||||||||||
| ihre Stellungnahme. Alles was den | an die Menschen, die diese Straße be- | ||||||||||||
| Straßenraum – Verkehrsschilder, | nutzen. Die gegenwärtige Kunst kommt | ||||||||||||
| Blickrichtungen, Ampeln, Pfeiler – | zum Publikum. Die Straße trennt die | ||||||||||||
| tangiert, ist untersagt. | Kunst verbindet... | ||||||||||||
| ... der gesellschaftliche kritische Aspekt | |||||||||||||
| Die Straße wird wie eine heilige Kuh | in den Beiträgen von Gloria del Mazo | ||||||||||||
| Behandelt. Dennoch haben die Künst- | leitet über zur Plakataktion von Ellen | ||||||||||||
| lerinnen und Künstler viele Orte, | Heinemann, die am deutlichsten den | ||||||||||||
| Topoi, gefunden und künstlerisch in | Kampf mit der Verschandelung der | ||||||||||||
| den Straßenbereich interveniert. | Heerstraße durch Bilder und Werbung | ||||||||||||
| aufgenommen hat: | |||||||||||||
| Stadtauswärts stellen ihre eigenen Bild- | |||||||||||||
| Die Kunstwerke stellen im Straßen- | motive Fragen: Was sollen diese Struk- | ||||||||||||
| raum Beziehungen her, die die In- | turen, die Streifen Punkte Flächen, | ||||||||||||
| konsequenz und Fragwürdigkeit der | Farben – sie fallen auf, aber keine Firma | ||||||||||||
| Argumente, der Mobilität und ihrer | steht dahinter. | ||||||||||||
| Folgen, durchgesetzt durch Ämter, | Die Wirkung von Mustern und Motiven zu | ||||||||||||
| hervorkehren. Der Straßenraum ist | untersuchen, ist eine Intention der Künstler- | ||||||||||||
| in Deutschland bis ins Kleinste ge- | in – hier im Umfeld eigenständiger Strukturen | ||||||||||||
| regelt, nur auf die Probleme von | und Bewegungen. | ||||||||||||
| Schulkindern und älteren Menschen | Stadteinwärts irritiert die Folge von | ||||||||||||
| wird nicht eingegangen – Ausgrenzung | schwarzen Plakaten (Die Zukunft?) und | ||||||||||||
| statt Begegnung. | weißen Buchstaben auf dem Kopf – die | ||||||||||||
| neue Rechtschreibung? | |||||||||||||
| Die Buchstaben ergeben einen Sinn – | |||||||||||||
| Menschen konterkarieren durch ihr | FRIDENSERZWINGENDEMASSNAHME | ||||||||||||
| eigenes Verhalten ihre eigenen | Ausgelöst von Wahlplakaten, die nicht nur | ||||||||||||
| Forderungen nach einer humanen | auf der Heerstraße mit Militärbildern werben. | ||||||||||||
| und ästhetischen Gestaltung unserer | |||||||||||||
| Umwelt, sie parken ungehemmt auf | Die Straße ist besetzt – die Frage des Parkens | ||||||||||||
| Grünstreifen, gefährden Natur und | taucht auf oder der Fluchtweg. Wir kommen | ||||||||||||
| Fußgänger, was eine Verpfählung er- | zu Hermann Stuzmann... | ||||||||||||
| zwingt. Der Spagat zwischen Mobilität | |||||||||||||
| und Urbanität gelingt nicht. | Kunst überrascht; sie kann morgens plötzlich | ||||||||||||
| vor dem Fenster stehen, das auf die Straße | |||||||||||||
| hinausgeht. Kunst nimmt den Kampf auf; die | |||||||||||||
| Dieses bringen die Performer Jochen | Plakate und Verkehrszeichen, die Schutzzone | ||||||||||||
| Wüstenfeld und Thomas Werner, die | am Straßenrand. Das vieldeutige Objekt, sie | ||||||||||||
| Stundenlang in äußerster Ruhe ver- | stehen in harter Konkurrenz zum designten | ||||||||||||
| harren und wie theatralische Skulpturen | Wahlkampf, dass sie wahrgenommen werden, | ||||||||||||
| wirken, auf den Punkt. Sie kauern in | spricht für sie; denn wer sieht heute noch auf | ||||||||||||
| Glasvitrinen und ziehen den Betrachter | Wahlplakate? Kunst provoziert: Sie verändert | ||||||||||||
| in ihre Bilder mit hinein. Sie vermitteln das | das gewohnte Bild rasender PKW’s und LKW’s | ||||||||||||
| Gefühl einer Grenzerfahrung, man hält | in diesem Fenster und bringt unnatürliche, aber | ||||||||||||
| den Atem an und wird für die kleinsten | ästhetische Farben ins Straßenspiel. Das Un- | ||||||||||||
| Veränderungen in den lebenden Bildern | erwartete schreckt auf. | ||||||||||||
| sensibilisiert. Der Mensch - hilflos der Ur- | |||||||||||||
| banisierung ausgeliefert – zieht sich zurück | |||||||||||||
| und wird zur Skulptur innerhalb der von | |||||||||||||
| ihm selbst geschaffenen Realität. | |||||||||||||
| Die Überfrachtung des Öffentlichen Raum- | |||||||||||||
| es Durch Werbung und Hinweisschilder ist | |||||||||||||
| akzeptiert. Doch von 56 gemalten Plakaten | |||||||||||||
| sind eine Woche vor Ende der Ausstellung | |||||||||||||
| nur 4 Malereien und 2 Buchstaben übrig- | |||||||||||||
| geblieben. Zerstörung in Form von Van- | |||||||||||||
| dalismus, aber auch als gezielte Reaktion | |||||||||||||
| u.a. von Anwohnern. | |||||||||||||
| Das Spektrum reicht von Intoleranz bis zu | |||||||||||||
| großer Begeisterung. Kunst hat mit Wahr- | |||||||||||||
| nehmung und Toleranz zu tun, doch diese | |||||||||||||
| fällt hinter die Gewohnheit bei Wahlplakaten | |||||||||||||
| und Werbung zurück. Kunst als ästhetisch- | |||||||||||||
| es und provozierendes Moment wird nicht | |||||||||||||
| überflüssig. | |||||||||||||
| Sechs Künstlerinnen und Künstler | |||||||||||||
| setzen sich mit der Straße als von der | |||||||||||||
| Gesellschaft gestaltetem Ort und als Lebens- | |||||||||||||
| raum auseinander. Es sind Positionen, die | |||||||||||||
| künstlerisch für sich stehen und dennoch zu | |||||||||||||
| denken geben. | |||||||||||||